Man loggt sich also ein, meistens noch mit einem Schluck Tee in
der Hand, der Laptop steht auf der Yogamatte—und dann begrüßt
einen schon das freundliche Gesicht der Lehrerin oder des
Lehrers auf dem Bildschirm. Am Anfang fühlt es sich vielleicht
noch ein bisschen komisch an, doch nach ein paar Minuten
vergisst man fast, dass man nicht im Studio ist. Die Lehrkraft
beobachtet die Teilnehmenden, gibt Hinweise, korrigiert kleine
Fehler, manchmal sogar sehr persönlich – “Anna, versuch mal, die
Schultern ein Stück weiter weg von den Ohren.” Während die
Asanas vorgemacht werden – oft aus mehreren Kameraperspektiven,
was echt hilfreich ist – darf man als Schülerin Fragen stellen,
entweder direkt ins Mikro oder im Chat, falls man gerade in der
Haltung hängt. Mir fällt immer wieder auf: Die Atmosphäre ist
überraschend entspannt, fast so, als säßen wir alle zusammen im
Wohnzimmer. Natürlich gibt’s auch mal technische Pannen – ein
eingefrorenes Bild, ein Mikro, das nicht will – aber das stört
kaum jemanden, man lacht darüber und macht weiter. Die
Fortschritte werden meistens durch regelmäßige Checks
festgehalten: Entweder lädt man Fotos seiner Haltungen hoch,
bekommt individuelles Feedback oder macht kleine Selbsttests, um
zu sehen, wie sich die Flexibilität oder das Gleichgewicht
verbessert haben. Und klar, manchmal motzt der innere
Schweinehund—wer kennt’s nicht?—aber die Gruppendynamik hilft,
am Ball zu bleiben. Ich finde, das Schönste ist, wenn am Ende
einer Stunde alle, obwohl sie kilometerweit voneinander entfernt
sind, gemeinsam in Shavasana liegen und für einen Moment diese
Ruhe teilen. Wer hätte gedacht, dass so viel Gemeinschaft auch
online entstehen kann?